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Wim Delvoye im Mudam Luxemburg

Vom 02.07.2016 bis zum 08.01.2017 kuratiert von Enrico Lunghi.

Seit Beginn seiner Laufbahn Ende der 1980er Jahre betreibt Wim Delvoye eine Verschiebung der traditionellen Grenzen zwischen populärer Kultur und Kunst, zwischen Kunstgewerbe und „schönen Künsten“, zwischen Altem und Zeitgenössischem, Edlem und „Unreinem“. „Kurz gesagt,“ schreibt Michel Onfray, „Wim Delvoye praktiziert das Oxymoron“: seine Werke scheinen in der Tat durchdrungen zu sein von Gegensätzen und bewegen sich dabei zwischen Verführung und Missklang.

Anlässlich seines zehnjährigen Bestehens lädt das Mudam Luxembourg den belgischen Künstler, der bei der Eröffnung des Museums bereits mit seiner Chapelle für Aufsehen gesorgt hatte, dazu ein, seine Räume zu bespielen. Auf zwei Stockwerken präsentiert die Ausstellung einen umfassenden Überblick über die 25 Jahre seines künstlerischen Schaffens und unterstreicht dabei ebenso die formale Vielfalt wie auch die konzeptuelle Kohärenz seines Werkes. Zudem zeigt sie die besondere Beziehung Wim Delvoyes zu Luxemburg: bereits 1994 widmete ihm die Galerie Beaumont eine Einzelausstellung, während zur gleichen Zeit seine Werke in öffentliche und private Luxemburger Sammlungen gelangten, wie in jene des Musée national d’histoire et d’art (MNHA) oder in die des großherzoglichen Hofes. Es folgen mehrere Teilnahmen an vom Casino Luxembourg organisierten Gruppenausstellungen, das dann im Jahr 2007 in Zusammenarbeit mit dem Mudam auch erstmals sein ehrgeiziges Projekt Cloaca in seiner Gesamtheit präsentieren sollte.

Wim Delvoye durchbricht nun hier das herkömmliche Format der Retrospektive und schlägt stattdessen einen Spaziergang durch sein erstaunliches Werk vor, der durch vier Räume mit ganz gegensätzlichen Universen führt. Im Erdgeschoss vereint eine erste Galerie mehrere Schlüsselwerke aus seiner Frühzeit, die unmittelbar vom Kunstgewerbe seiner flämischen Heimat beeinflusst sind und sich mit häuslichen und urbanen Dingen befassen. Dem gegenüber widmet sich eine zweite Galerie den Ursprüngen: den prosaischen Ursprüngen eines jeden Menschen, aber auch jenen der Kunst und der ihr eigenen Praxis. Eine dritte Galerie im ersten Stock greift dann die Thematik des Ornaments und der Übernahme von kunstgeschichtlichen Formen auf, während ein letzter Raum wie eine Landschaft schließlich seine im Alltag errichteten „Monumente“ präsentiert, und hier insbesondere seine jüngsten großformatigen und gotisch inspirierten Skulpturen.

Wim Delvoye wurde 1965 in Wervik, Belgien, geboren. Er lebt und arbeitet in Gent und in Brighton.

Mudam Luxembourg
Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean
3 Park Dräi Eechelen
1499 Luxembourg-Kirchberg
T +352 45 37 85 1
info@mudam.lu
www.mudam.lu

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Mudam

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Mudam 49.616883, 6.140156

El Greco und die Moderne

El Greco und die Moderne

Das Aufsehen erregende Werk El Grecos (1541–1614) wurde erst um 1910 durch Julius Meier-Graefes TagebuchSpanische Reise von einem breiteren deutschsprachigen Publikum entdeckt. Zahlreiche Künstler erfasste das »Greco-Fieber«, als sie 1911 in München und 1912 in Düsseldorf erstmals in Ausstellungen einer größeren Werkgruppe begegnen konnten: Max Beckmann, Oskar Kokoschka, Max Oppenheimer oder Ludwig Meidner, vor allem aber auch die Vertreter des Blauen Reiter, August Macke, Franz Marc, Albert Bloch und andere, erkannten in El Greco eine Vaterfigur der Moderne, die sie in einem Atemzug mit Paul Cézanne nannten.

Der Band stellt das Werk El Grecos in einer gültigen Auswahl von über 40 Gemälden aus den bedeutendsten Museen weltweit vor, gleichzeitig wird die Auseinandersetzung der jungen Künstler mit der Malerei und der Bildwelt des spanischen Ausnahmemalers vorgestellt und ein faszinierender Einblick in den Kampf um die Moderne eröffnet.

Hatje Cantz Verlag 2012.
416 Seiten, 306 Abb., davon 273 farbig
ISBN 978-3-7757-3326-7

Cindy Sherman Das Frühwerk 1975-1977

Cindy Sherman

Rollenbilder und Selbstinszenierung im Frühwerk der amerikanischen Konzeptkünstlerin

Seit mehr als 30 Jahren visualisiert Cindy Sherman (*1954 in Glen Ridge, New Jersey) eine Vielfalt von Rollenbildern und weiblichen Identitäten. Schon als Jugendliche liebte es die Künstlerin, sich zu verkleiden. Entgegen der allgemeinen Ansicht bilden nicht die berühmten Untitled Film Stills (1978–1980) ihr Frühwerk, sondern jene Fotografien, die sie bereits als Studentin in Buffalo von 1975 bis 1977 schuf. In diesen Jahren erhob sie ihr Spiel der Verwandlung zu ihrem künstlerischen Konzept und entwickelte zahlreiche bis dato unbekannte Fotografien, die auffallend viele Elemente des Theaters in sich vereinigen. Mittels wechselndem Make-up, Perücken, Mimik, Gesten, Blicken und Kleidung veranschaulicht Sherman in unterschiedlichen Rollen verschiedene soziale Identitäten. Die SAMMLUNG VERBUND hat die konzeptuellen Anfänge ihres Œuvre wissenschaftlich aufgearbeitet und gibt nun den Catalogue raisonné ihres Frühwerkes heraus.

Hatje Cantz Verlag 2012.
376 Seiten, 288 Abb., davon 48 farbig, 240 in Duplex
ISBN 978-3-7757-2980-2

Fresh Widow. Fensterbilder seit Matisse und Duchamp

Fresh Widow. Fensterbilder seit Matisse und Duchamp

Fenster zur Welt, Fenster im Bild

Die Vorstellung, das Bild sei wie ein geöffnetes Fenster, 1435 von Leon Battista Alberti formuliert, prägte Generationen von Malern. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das auf sein Rahmengeviert reduzierte Fenster als Motiv und Symbol eingesetzt, um die Freiheit der Malerei von ihrer abbildenden Funktion zu erproben. In dem Maß, wie sich das Fenster leert, verweigert das Bild den Blick auf die Welt. Mit Fresh Widow, der Replik eines französischen Fensters, dessen Scheiben mit schwarzem Leder bedeckt sind, postuliert Marcel Duchamp 1920 den Abschied von der illusionistischen Malerei. Das Werk markiert zugleich einen Neubeginn. Die Publikation reflektiert die Entwicklung des Fensterbildes in der Kunst anhand von Essays sowie monografischen Texten zu den Künstlern Robert Delaunay, Henri Matisse, Josef Albers, Marcel Duchamp, René Magritte, Ellsworth Kelly, Eva Hesse, Christo, Robert Motherwell, Brice Marden, Gerhard Richter, Isa Gensken, Günther Förg, Toba Khedoori, Jeff Wall, Olafur Eliasson und Sabine Hornig.

Hatje Cantz Verlag 2012.
288 Seiten, 180 farbige Abb.
ISBN 978-3-7757-3292-5